Honorare: Die 5 dümmsten Verhandlungsstrategien Eurer Auftraggeber

Und so lautet der Beschluss, dass der Mensch verdienen muss – Geld nämlich, da Ihr wohl genauso wenig wie ich von Luft und Liebe leben könnt. Aber wie viel eigentlich? Da gehen nicht nur die Meinungen unter den Kollegen teils sehr weit auseinander. Ein beeindruckendes Duplikat des Mariannengrabens tut sich da auch zwischen Freelancern und so manchem (potenziellen) Auftraggeber auf. Billig um jeden Preis heißt nämlich die Devise mancher Kunden. Sollten die eine der folgenden fünf Verhandlungskarten ausspielen, kann ich Euch nur eines empfehlen: Mail löschen, auflegen, auf FB blocken oder wo auch immer Euch ein solcher Billigheimer ohne Respekt vor Eurer Ausbildung und Leistung Euch gerade die Zeit klaut.

1) “In XYZ verdienen sie auch nur 5 bis 10 Cent die Stunde.”

Damit hat Euer Gegenüber erstmal Recht. Zum Argument macht es der reine Fakt aber nicht. Was unser lieber Pfennigfuchs dabei nämlich vergisst: XYZ ist garantiert nicht in Europa – wir aber schon. Damit haben wir europäische Preise zu zahlen und müssen daher auch ein europäisches Einkommen beziehen. Oder habt Ihr schon mal mit Eurem Vermieter verhandelt, dass die Wohnungen am Nordpol billiger sind als hier und er doch bitte die Miete entsprechend einkürzen möge? Was? Totaler Unsinn? Stimmt. Genauso wie dieses Nicht-Argument.

2) “Der deutsche Durchschnittslohn liegt auch nur bei 20€ brutto.”

Ok, jetzt sind wir zumindest mal in Deutschland angekommen und mit der Zahl könnte er sogar Recht haben. Was unser Sparfüchslein und Legastheniker hier aber irgendwie übersieht, ist das Wort LOHN. Das unterstellt nämlich ein Angestelltenverhältnis. Und was habt Ihr wahrscheinlich so wenig wie ich? Richtig, eine Festanstellung. Deshalb heißt das Ganze ja auch Honorar oder Stundensatz (wahlweise auch Tages- oder Wochensatz). Hat also auch gaaaaar nichts mit Euch zu tun. Warum Euer Gegenüber es trotzdem aufs Tableau bringt? Damit er nachweisen kann, dass er von professionellem Geschäftsgebaren keine Ahnung hat.

3) “Aber andere machen das auch für …”

… setzt hier einfach einen unvernünftig niedrigen bis lachhaft winzigen Betrag pro Wort, pro Stunde, pro Artikel oder pro Wasauchimmer ein. Ob’s stimmt? Ich hab da ab und zu so meine Zweifel. Aber es gibt tatsächlich Kollegen oder solche, die sich dafür halten, die zu Winzpreisen arbeiten. Wenn Euer Verhandlungs”partner” also mit einem solchen argumentiert, soll er seinen Auftrag doch auch bitte von eben diesem erledigen lassen. Wer eine fundierte Ausbildung, ein gutes Eck Berufserfahrung und eine gesunde Arbeitsmoral mit hervorragender Qualität verbinden kann, sollte ein Mindestmaß an Selbstbewusstsein haben, eben dieses nicht unter Wert zu verkaufen – und zwar unter dem Wert, den er oder sie ihm zumisst, nicht der Geizkragen, der davon profitieren möchte.

4) “Ich bin selber Profi in meiner Branche und berechne auch nicht mehr.”

Schon fast reflexartig möchte ich in einem solchen Moment sagen: “Schön blöd!” Warum ich es nicht tue? Weil ich im Gegensatz zu meinem Gegenüber ein Mindestmaß an Anstand habe. Wenn er glaubt, dass er damit weiter kommt, dass lass ich ihm seinen Glauben. Wir haben schließlich Religionsfreiheit. Die hat aber nichts mit meinen Preisen zu tun. Also bleiben die, wo sie sind, und ein solcher Auftraggeber wo der Pfeffer wächst. Schließlich bin ich nicht Mutter Theresa und rette jeden Deppen, der nicht rechnen kann.

5) “Solche Preise sind einfach dreist!”

Naaaaaa, lässt sich das Ego vom Schreiberling oder anderweitig Dienstleistenden vielleicht ein wenig untergraben? Genau das versucht unser Knauser mit dieser Methode. Oder er hofft auf ein Gegenüber, das noch nicht weiß, was seine Leistung wirklich Wert ist. Wer jetzt einknickt, hat schon verloren – und einen respektlosen Zirkusdompteur an der Backe, der seine Affen mit Peanuts füttert. Wer das nicht will, kann das ganz einfach vermeiden: Überlegt Euch, warum Ihr welchen Stundensatz nehmt und tauscht Euch ruhig mit Kollegen aus. Was ist fair? Was ist wirklich zu viel? Was ist Dumping? Schaut, was Ihr wirklich könnt, welche Ausbildung und Erfahrung Ihr habt und wie gefragt und vielleicht rar Eure Leistung – und klebt ihr ein Preisschild mit Sekundenkleber auf.

Ein Tipp zum Schluss

Ihr habt mal wieder so ein 5-Thesen-Exemplar erwischt. Dann ärgert Euch nicht zu sehr. Ich hatte auch gerade einen sehr kuriosen Kontakt, der sogar alle fünft Strategien in fünf Minuten abgefeuert hat. Was er davon hat? Das halbe Netz lacht über ihn. Ihr dürft also beruhigt auf das Karma vertrauen. Diese Leute bekommen genau, was sie wollen: viel für wenig – nämlich viel Gelächter für wenig Hirn.